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Robert Reischer hat mir in einem Kommentar zum Grundeinkommen folgende Frage gestellt:


Da es für ein bedingungsloses Grundeinkommen sehr verschiedene Ansätze der Finanzierung gibt,von denen jedoch die verbleibenden Aufgaben des Sozialstaates - Bildung, Gesundheit, Altersvorsorge, Wohnbau....
abhängen, würde ich gerne mehr wissen über Ihre Positionen dazu, bevor ich mich für eine Unterstützung entscheiden kann.

Robert Reischer

 

Meine Antwort

 

Lieber Robert Reischer!

 

Ich würde eine möglichst einfache Variante vorschlagen.

Jede/r bekommt vom Staat 1000-1200 € ab dem fünfzehnten Lebensjahr. 500 € pro Kind (1-15). Wer über diesen Betrag hinaus arbeitet und Geld verdient, soll dies zusammen versteuern. Das bedeutet, wer für 500 € arbeiten geht, versteuert 1700 €. Wir könnten so wie bisher 1100 € lohnsteuerfrei stellen und dann progressiv besteuern. Gleichzeitig werden die Maschinen, die Menschen freisetzen und Mehrwert erwirtschaften besteuert und sozialversicherungspflichtig gemacht.

 

Wie die staatsrelevanten Ausgaben finanziert werden sollen?

Die beamteten Transfersysteme werden gestrichen (Pensionsversicherungsanstalt, Arbeitsmarkverwaltung, Krankenversicherungsanstalten), die enorme Unsummen verschlingen in ihrer Erhaltung und Umverteilungsstrategie. Die Beamten werden über das bedingungslose Grundeinkommen abgesichert.
Wer krank ist, wird versorgt, auch bei einem bedingungslosen Grundeinkommen
(Ich bin überzeugt, daß die Menschen seltener krank werden, daher wenig Ökonomie verbraucht wird, um Menschen gesund zu halten.)

Wer sich bilden will, soll dies tun. Es gibt ja dann genug Menschen, die ihr know how teilen können, ohne dafür Geld verlangen zu müssen, sie sind ja über das bedingungslose Grundeinkommen abgesichert.

 

Alle Projekte, die der Staat umzusetzen hat, würde ich aus folgender Umverteilung finanzieren: Gehälter werden bei maximal 5000 € im Monat netto beschränkt. Alles was darüber hinausgeht, halte ich für unmoralisch in einer Gesellschaft, in der 500.000 Menschen an der Armutsgrenze leben.

 

Bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet auch, daß wir eine vollkommen andere Arbeitsgesellschaft erleben werden. Die Menschen hätten plötzlich Zeit anderen bei ihren Bauvorhaben zu helfen, sie könnten sich an freiwilligen Leistungen beteiligen, wo sie an kommunalen Projekten mitarbeiten.

 

Ich bin nicht der sozialdarwinistischen oder calvinistischen Auffassung, daß der Mensch grundsätzlich faul sei. Ich denke, daß der Mensch nicht geboren wurde lohnabhängig sein Leben zu fristen, während sich andere satt fressen.

 

Es wäre durchaus denkbar, daß Menschen sich an Gemeinschaftsprojekten beteiligen, wie dem Bau von Biogasanlagen oder Fotovoltaikanlagen und dann aus dem daraus produzierten Strom bezahlt werden. Das selbe gilt für die Deckung des Nahrungsmittelbedarfs. Wir könnten gemeinschaftliche Ackerwirtschaft durchsetzen, und darus die Menschen ernähren.

Die kommunalen Verwaltungen müssen gestärkt werden und ihre Abhängigkeit von globalen Märkten zurückgedrängt werden. Das setzt aber eine echte Demokratiereformbewegung voraus. Nur demokratisch organisierte Gemeinden, die nicht in den Händen von Parteien sind, werden langfristig überleben können.

 

Ich denke, wir brauchen geld-, energie- und  nahrungsmittelautarke Gemeinden und Regionen. Alles andere wird langfristig zu immer neuen Krisen und zu weiterer Verarmung der Bevölkerung führen.

 

Grundsätzlich halte ich das bedingungslose Grundeinkommen nur für einen Baustein einer neuen Wirtschaft. Neue Geldformen, neue Konsumformen und vieles andere gehören dazu. Grundsätzlich brauchen wir aber ein Umdenken.

 

Wir gewährleisten unseren heutigen Wohlstand durch ein einziges Prinzip: einem Wachstum, das wir durch Konsum herstellen.

Wir brauchen Wohlstand ohne Wachstum.

 

Wir alle sind aufgerufen, darüber nachzudenken, wie wir unseren Wohlstand sichern können, ohne weiter Menschen und Umwelt auszubeuten.

Vielleicht werden wir auf einen Teil der Überproduktion verzichten müssen, aber was wir gewinnen ist ein Stück mehr Arbeitsfreiheit und Lebenszeit.

veröffentlicht in: Fragen - Community: Kultur-Schock
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Kommentare

Herr Dr. Bahr, für diese Ideen welche sie da vertreten bräuchte es den idealen selbstlosen Menschen, von denen es leider in unserem Staat und in allen anderen wohl auch zu wenige gibt.
Glauben sie wirklich allen ernstes, dass eine Mehrheit unserer Gesellschaft solche Ideale mittragen würde?
Es st eine Minderheit welche solch radikalen Umformungen mittragen würde. Ich erlebe unsere Gesellschaft als eine einzige Neidgesellschaft, welche zwar bei Katastrophen groszügig die Geldbörse öffnet, aber das ist schon alles an gutem. Da wird gelogen und betrogen, aber es sind immer die anderen die sich nicht an Gesetzte halten.
Eine Mehrheit der Österreicher schreit z.b. bei Problemen mit Asylwerbern: „die Gesetze müssen eingehalten werden“!! nur wenn es dann darum geht, Steuern zu hinterziehen, z.b. durch Pfuschen Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht einzuhalten, ignorieren von Nichtraucher Zonen , etc. dann nimmt man es eben nicht mehr so genau.
Und von einer solchen Gesellschaft kann man eben allen Ernstes nicht erwarten, dass sie plötzlich selbstloser sein würde.
Warum wird denn unsere „christliche Partei ÖVP“ immer wieder gewählt? (von den 25% FPÖ Wählern möchte ich gar nicht reden) Eigentlich dürften doch nur mehr raffgierige diese Partei wählen. Weil sie den Menschen suggeriert, wenn sie alle schön fleißig sind könnten sie auch mal nach oben kommen und am großen Futtertrog mitnaschen. Und diejenigen die es schaffen, die tun es meist auch ungeniert.
. Warum die ÖVP z.b. einen Arbeitnehmer Flügel hat (ÖAAB) der auch noch von arbeitenden Menschen gewählt wird, verstehe ich auch nicht wirklich
Aber vielleicht liegt es daran, dass es eben vielen Bürgern dieses Landes nur darum geht immer noch mehr zu besitzen, alles muss billiger sein (siehe Preisschlachten im Handel),man will zeigen dass man mehr hat als der Nachbar; wenn etwas teurer wird, schreien alle nach dem Staat, er solle das gefälligst regeln usw.usw.
Nun frag ich mich aber die ganze Zeit warum gründen sie nicht eine Partei. Ich glaube das wäre zumindest einfacher und zielführender, als eine sinnlose Kandidatur für ein Amt im Staat welches ja eigentlich zahnlos ist.
Nehmen wir mal an, sie würden Präsident, was wollen sie damit erreichen?
Sie können dann zwar schöne Reden schwingen, aber ändern täte sich nichts. Also alles nur heiße Luft, schade um die Zeit die sie dafür aufwenden.
Kommentarnr1 gepostet von pellet@gmx.at am 21.02.2010 à 09h56
Also in einigem kann ich Ihnen folgen. In allem mag ich Ihnen nicht folgen.

Das mit dem idealen Menschen. Würde ich Ihnen dabei recht geben, würde das bedeuten, daß aller gesellschaftlicher Fortschritt unmöglich gewesen wäre. Wir hätten heute keine Kranken-, keine Pensions-, keine Arbeitslosenversicherung, wenn nicht um 1900 Leute sich für eine andere Gesellschaft eingesetzt hätten.

Aufzugeben, das Richtige zu fordern wäre eine Bankrotterklärung des Politischen.
Das bedeutet den Stärkeren das Feld zu überlassen.

Das kann nicht sein, das darf nicht sein.

Wer den Herrschenden das feld überläßt ohne es probiert zu haben, der neigt dazu den Menschen als träge darzustellen. Der Mensch ist nicht träge, der Mensch kann überzeugt werden, wenn er das Gefühl hat, daß er von den Ideen profitiert. Im Moment sind die Rechten, die Liberalradikalen im Vormarsch.

Ihnen das Feld zu überlassen, heißt aufzugeben.
Soweit bin ich noch nicht. Vielleicht bin ich bald soweit. Noch trägt mich eine Idee, wie weit, das wird die Geschichte zeigen. Und das Si ehier posten, zeigt nur, daß Sie auch noch nicht ganz aufgegeben haben.
Antwort von Raimund Bahr am 22.02.2010 à 08h01
Ein sehr eigenwilliger Ansatz. In meinem Blog habe ich einen Ansatz von Günter Leue zum selben Thema veröffentlicht, den ich Ihnen empfehlen kann. Es sind 3 Folgen dort zu finden. http://www.andere-welten.net/categorie-10918016.html.
Viel Erfolg bei Ihren Bemühungen.
Mit Grüßen
RE
Kommentarnr2 gepostet von Reinhold Einloft am 1.03.2010 à 21h54

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  • : Ich habe mir zum Ziel gesetzt für das Amt des Bundespräsidenten 2010 zu kandidieren. Hier erfahren Sie meine Beweggründe, meine Erfahrungen mit der Kandidatur, Medienberichte und vieles mehr.
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